Rezensionen

Rezension: Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen von Ava Reed

Hallo ihr Lieben!

Na, wie ist eure Woche so? Ich hoffe, ihr gönnt euch genug Pausen und entspannt euch. Denn das ist wirklich wichtig!

In der heutigen Rezension geht es um ein Buch, das eine ebenfalls sehr wichtige und bisher auch eher schwierige Thematik behandelt. In Alles. Nichts. Und ganz viel dazwischen geht es um Leni, die sehr schwer zu kämpfen hat. Wie ich das Buch empfand, das erkläre ich später und auch, worum es genauer geht. Ich möchte euch aber vorher noch auf eins hinweisen: Wenn es euch wie Leni geht oder wenn ihr etwas ähnliches und gleichfalls schlimmes durchmacht: Ihr seid nicht allein. Und lasst euch helfen, denn es ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist wichtig. Ihr seid wichtig! Und es ist keine Kleinigkeit, also gebt gut auf euch acht.

Ein weiterer Hinweis: Diese Rezension wird teilweise sehr sehr persönlich. Allerdings geht das bei diesem Buch einfach nicht ohne. Es fiel mir auch nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden. Das Buch fand ich großartig, aber ich hatte das Gefühl, dem nicht so recht gerecht zu werden.

Das Buch erschien am 15. Februar 2019 beim Ueberreuter Verlag.

Klappentext:

Das persönlichste Buch von Ava Reed! Ein Buch, das Hoffnung macht.
Mit Zeichnungen der Autorin und handgeschriebenen Tagebucheinträgen.

In jeder Dunkelheit brennt ein Licht. Man muss es nur finden!

Der Abschluss. So viele Dinge, die zu tun sind.
Und danach? Ein Studium? Eine Ausbildung? Reisen?
Leni ist ein normales und glückliches Mädchen voller Träume. Bis ein Moment alles verändert und etwas in ihr aus dem Gleichgewicht gerät. Es beginnt mit zu vielen Gedanken und wächst zu Übelkeit, Panikattacken, Angst vor der Angst. All das ist plötzlich da und führt zu einer Diagnose, die Leni zu zerbrechen droht. Sie weiß, sie muss Hilfe annehmen, aber sie verliert Tag um Tag mehr Hoffnung. Nichts scheint zu funktionieren, keine Therapie, keine Medikation. Bis sie Matti trifft, der ein ganz anderes Päckchen zu tragen hat, und ihn auf eine Reise begleitet, die sie nie antreten wollte …

Design:

Das Cover ist sooo wunderschön und einfach nur passend für die Geschichte. Das Grün wirkt einerseits beruhigend, andererseits erinnert es mich aber auch an Sommer und glückliche Tage. Dazu hat es etwas Melancholisches und Trauriges an sich. Ich liebe es einfach und ich könnte es stundenlang anschauen. Ich muss mir unbedingt das Printexemplar des Buches holen, um es noch besser bewundern zu können.

Wenn die Angst einen fesselt und nicht mehr loslässt

Das Buch beginnt mit dem ersten Schultag des letzten Schuljahres. Das Abiturjahr bricht an und Emma, Lenis beste Freundin, hat ihr ein Tagebuch geschenkt. Dieses Tagebuch spielt im Buch eine besondere Rolle, denn Leni schreibt immer wieder ihre Gedanken und Gefühle hinein. Ava Reed hat diese Tagebucheinträge auf eine wirklich eindrucksvolle, kreative und wunderschöne Art und Weise gestaltet. Sie sind als Zeichnungen im Buch zu sehen und ich empfand sie immer wieder als wunderschöne Ergänzung.

In der Schule merkt Leni, dass sich langsam etwas in ihr verändert. Der Druck, der nun auf ihr lastet, setzt ihr deutlich zu und immer mehr wächst die Angst. Vor der Zukunft, vor der Entscheidung der Entscheidungen, vor der Angst selbst. Immer häufiger und immer stärker werden die Panikattacken und langsam merken sowohl Emma als auch ihre Eltern, dass Leni sich verändert. Doch dann ist es bereits zu spät und Leni steckt mittendrin.

Es folgen Arztbesuche auf Arztbesuche und niemand weiß so recht, was sie hat. Bis dann der Moment kommt, indem ihre Veränderung einen Namen bekommt. Ab da beginnt der Weg für Leni erst so richtig.

Viel zu vertraut

Ich muss gestehen, dass mir vieles, was Leni in ihrem letzten Schuljahr empfunden hat, viel zu vertraut war. Ich hatte im Grunde die letzten drei, vier Schuljahre immer häufiger Magenschmerzen. Immer öfter ging es mir richtig schlecht. Ich hatte oft Angst vor der Schule und war das letzte Jahr dann auch in Behandlung deswegen. Bei mir hat es keine solchen Ausmaße angenommen wie bei Leni, was die Angst betrifft, aber ich hab noch jahrelang mit Erschöpfung und Depressionen zu kämpfen gehabt und hab es immer noch. Aber es geht mir besser, ich weiß mittlerweile, wie ich damit umgehen muss.

Lenis Geschichte hat mich so wirklich tief berührt. Da es mir aktuell aber wirklich gut geht, trotz den turbulenten letzten Wochen, muss ich sagen, dass ich es ohne Triggergefahr lesen konnte. Lenis Weg war emotional, aber nicht überwältigend für mich. Ich konnte wahnsinnig gut in die Geschichte abtauchen, ohne darin unterzugehen. Dabei hat Ava Reed es besonders gut geschafft zu beschreiben, wie Depressionen und eine Angststörung sich eigentlich anfühlen und was sie genau ausmachen, ohne dabei respektlos oder übertrieben zu wirken. Die Geschichte ist authentisch und echt in ihrem Kern, ihrer Aussage. Und genau das macht sie in meinen Augen so wertvoll.
Wer nicht an Depressionen glaubt oder nicht nachvollziehen kann, wie es einem dabei geht, der sollte die Geschichte lesen. Nein, nicht nur diese Personen … jeder sollte die Geschichte lesen, denn das Thema sollte viel mehr Aufmerksamkeit in der Gesellschaft bekommen.

Starke Protagonisten

Ja, Leni ist meiner Meinung nach stark, auch wenn sie sich selbst nicht so bezeichnen würde. Denn sie kämpft. Kämpft gegen die Verzweiflung, gegen die Dunkelheit, gegen den Nebel, der sie vom Leben trennen möchte. Und manchmal liegt sie nur im Bett und kann nicht aufstehen, aber sie gibt nicht auf. Der Weg ist nicht leicht, das zeigt sie uns ganz deutlich. Aber sie kämpft für ein Leben, sucht nach Gründen für das Leben. Und genau das macht sie so stark in meinen Augen. Sie war einerseits so zurückhaltend, ruhig und ängstlich, andererseits habe ich aber gesehen, welche Willenskraft unter ihrer Krankheit lauert. Ihre Wandlung mit anzusehen, ist schön und traurig zugleich.

Auch Matti ist meiner Meinung nach stark. Er hat ein ganz anderes Schicksal als Leni und ich kann wirklich verstehen, dass ihn das wahnsinnig ankotzt und er einfach frei sein möchte. Der Wille zu Leben ist so stark, dass es kein Wunder ist, dass Leni sich von ihm mitgerissen fühlt. Die beiden ergänzen sich auf eine wundervolle und auch traurige Art, sowohl im Charakter als auch in ihren Krankheiten. Aber genau deshalb fand ich ihre Beziehung auch so besonders.
Matti ist zwar an manchen Stellen ein wenig taktlos und unsensibel gewesen, aber dennoch ist er mir wirklich sehr ans Herz gewachsen. Und ich glaube, dass Leni das irgendwo auch gebraucht hat, nicht mit Samthandschuhen angefasst zu werden. Das hat sie immer wieder aus ihrer Zurückhaltung gelockt und das fand ich sehr gut.

Typischer Stil der Autorin

Die Geschichte wird unregelmäßig abwechselnd aus der Sicht von Leni und aus der Sicht von Matti erzählt, jeweils in der ersten Person Singular. Dabei kann man besonders intensiv nachfühlen, wie es den beiden ergeht und ich finde, die Identifikation mit den beiden fällt dadurch auch wesentlich leichter. Dieser Stil ist mittlerweile typisch für Ava Reed und ich muss sagen, dass ich ihn sehr gern mag. Dadurch wirken ihre Protagonisten einfach jedes Mal greifbarer und das ist gerade bei dieser Thematik ganz besonders wichtig. Meiner Meinung nach wird es so auch immer eine Spur emotionaler.

Besonders an diesem Buch fand ich einfach, wie persönlich es sich angefühlt hat. Die von Ava Reed gestalteten Tagebucheinträge geben dem Ganzen noch den letzten Schliff und für mich fühlt es sich so an, als hätte es wirklich so passieren können. So viel Persönlichkeit steckt in diesem Buch, so viel Dunkelheit und gleichzeitig so viel Licht. Für mich zeigt es einfach, wie die Krankheiten verlaufen können und wie stark man darin gefangen ist. Es zeigt, wie schwer „einfache“ Tätigkeiten wie duschen, einkaufen oder gar essen sein können. Wie viel Überwindung jeder einzelner Schritt kostet.

Fazit

Ava Reed hat ein wahnsinnig emotionales und schönes Buch geschrieben, das schonungslos und direkt zeigt, wie schwer die Krankheiten sein können und wie schwer der Kampf dagegen ist. Die Charaktere sind authentisch, sympathisch und ergänzen sich auf so vielen verschiedenen Arten. Außerdem sind die von der Autorin gestalteten Tagebucheinträge wirklich schön geworden und machen das Ganze nochmal persönlicher. Daher bekommt das Buch 10 von 10 Punkte von mir!

Vielen lieben Dank an Ava Reed für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

Weitere Informationen zu diesem Buch:

  • Seitenzahl: 320 Seiten
  • Autor: Ava Reed
  • Verlag: Ueberreuter Verlag
  • ISBN:  978-3-7641-7089-9
  • Preis: 16,95 € (Gebundenes Buch), 14,99 € (eBook)
  • Gelesenes Format: eBook (Rezensionsexemplar)
  • Lesedauer: 3 Stunden 49 Minuten und 24 Sekunden
  • Gelesene Tage: 3 Tage
  • Gelesene Seiten pro Tag durchschnittlich: 106,7 Seiten

Über die Autorin:

Ava Reed wird schon immer von Büchern begleitet. Das Haus ohne etwas zu lesen verlassen? Unvorstellbar. Schließlich entdeckte sie auch das Schreiben und Bloggen (www.avareed.de) für sich und kann sich nicht vorstellen, je wieder damit aufzuhören. Wenn sie nicht gerade wild in die Tasten tippt, geht sie ihrer Arbeit in einem Verlag nach. Ava Reed lebt mit ihrem Freund in Frankfurt am Main.

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