Alles rund um Bücher · Dies und Das

Bodyshaming in Bücher (und anderen Medien)

Hallo ihr Lieben!

Der Winter und der Frühling kämpfen noch ein wenig um die Vorherrschaft draußen. Währenddessen kuschle ich mich auf die Couch und schreibe über ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt und das mich auch schon eine Weile beschäftigt. Die Rede ist von (verstecktem) Bodyshaming, das mir immer mehr ins Auge sticht, wenn ich es lese.

Wichtig vorab: Ich möchte keine:n Autor:In angreifen oder an den Pranger stellen. Mir geht es in diesem Beitrag eher darum, mal dafür zu sensibilisieren, wie es bei Menschen ankommen kann, die manche Eigenschaften mit den Buchcharakteren teilen. Auch möchte ich bitte keine Diskussionen darüber, wie ungesund Dicksein ist. Darum soll es in diesem Beitrag nun einfach mal nicht gehen.

In vielen Büchern, Serien und Filmen sehen die Charaktere meist gleich aus: Männer immer durchtrainiert, verboten sexy, sportlich (obwohl manche nicht mal wirklich Sport machen; wie funktioniert das?), betont männlich, düster, dominant und meist wortkarg, knurrend oder sarkastisch. Betonung liegt hier aber meist immer auf groß, muskulös und breitschultrig.

Frauen hingegen sind die meiste Zeit klein, zierlich, schlank, mit kleinen (festen) Brüsten, flachen oder nur leicht gewölbten Bäuchen, kleinen runden Hintern, feingliedrigen Hände.

Es werden zwei Schönheitsideale beworben, die meiner Meinung nach nur ein kleiner Teil der Bevölkerung einhalten kann. Dabei gibt es doch so viele, andere Körperformen. Was passiert mit ihnen in den Büchern?

Klischees und unterbewusste Programmierung

Dicke Frauen werden in Büchern und anderen Medien oft mit geringem Selbstbewusstsein, ständigen Selbstzweifeln, Vorliebe für Kuchen, Abneigung gegen Sport und/oder ständigen Abnehmwünschen dargestellt, ständig auf Diät, die sie dann wieder brechen. Oft sind auch Tollpatschigkeit oder andere Eigenschaften dabei, über die gelacht werden soll. Ich kenne so gut wie kein Buch, in dem eine dicke Frau die Welt rettet und auch den heißen Kerl bekommt, ohne vorher abzunehmen. (Wenn du eins kennst, schreib es mir gern in die Kommentare.)

Männer werden mit dickem Bauch gern lüstern, eklig, verfressen, gierig, faul, wie Looser oder im Keller lebende Computer-Nerds dargestellt. Auch nicht besonders schmeichelhaft und vor allem sehr unfair. Denn auch das Vorurteil der mangelnden Hygiene wird gern bedient, stimmt aber einfach nicht mit der Realität überein.

Permanent wird drauf hingewiesen, dass dicke Menschen (ja, auch Männer und Non-Binary) nicht gut so sind, wie sie sind. Immer geht es darum, dass sie auch so sein sollen wie die schlanke beste Freundin, der superheiße, mysteriöse, immer durchtrainierte Kerl oder das Supermodel aus der Werbung. Mit dem Dicksein wird gleichzeitig assoziiert, dass sie dumm, faul und nicht ehrgeizig oder erfolgreich sind und ich persönlich finde das zum Kotzen. Ich kenne erfolgreiche, ehrgeizige, gesunde, dicke Menschen und faule, kranke, schlanke Menschen, denn diese Eigenschaften haben nichts mit der Körperform oder dem Gewicht zu tun.

Aber dieses dauernde Pochen auf Selbstzweifel hängt mir zum Hals raus. Und das Lustigmachen über Dicke ebenfalls. Und dass Dicke selten Protagonisten in Geschichten sind, lässt mich als dicke Person immer wieder das Gefühl aufkommen, nichts wert zu sein und das ist ein harter Knacks für das Selbstwertgefühl. Es schleicht sich dabei ins Unterbewusstsein ein, dass man als dicke Person weder Liebe noch Anerkennung oder Erfolg verdient hat, denn man ist schließlich nur die Randfigur der Gesellschaft. Dabei stimmt das doch gar nicht. Ob ich Liebe, Anerkennung oder Erfolg verdient habe, hängt 0,0 von meinem Gewicht oder meiner Körperform ab, sondern nur davon, wie viel Mühe ich mir gebe und wie ich zu mir selbst stehe.

Vor allem bei den Liebesromanreihen, in denen es in jedem Band um ein anderes Couple geht, fällt mir immer wieder auf, wie eintönig die Protagonist*Innen dort sind. Sie entsprechen in den meisten Fällen immer den oben genannten Beschreibungen. Doch grade hier könnten wir viel mehr Vielfalt hinein bringen, indem wir diese perfekten Menschen mit Makel versehen. Wieso muss jeder, der sich als Protagonist*In für einen Liebesroman eignet, immer perfekt sein? Wieso können es nicht auch ganz durchschnittliche Menschen wie du und ich sein? Mit Fettpölsterchen, einem Bauch, einer schiefen Nase, zu dünnen Körpern, zu dicken Körpern, Cellulite, Narben etc.? Dann klappt es auch besser mit der Selbstakzeptanz und es wird ein wenig mehr Wert auf die verschiedenen Facetten von Attraktivität gelegt, nicht nur auf das Aussehen einer Person.

Dicke Protagonist*Innen

Bei meiner Recherche nach dicken Protagonist:Innen fiel mir eine weitere Sache auf: Die Titel vieler Bücher enthalten immer noch Klischees, Stigmata etc. Da gibt es Wortspiele mit Kuchen, Schokolade uvm. oder wenig schmeichelnde Worte wie „Wuchtbrumme“, was mich ehrlich gesagt nicht nur verletzt, sondern richtig wütend macht. Als ob dicke Personen nonstop nur Schokolade, Kuchen, Chips oder sonst etwas essen und nicht auch mal Obst oder Gemüse. Auch diese Titel befeuern die Klischees nur weiter, statt die Stigmatisierung zu stoppen und ein Bild von einem vielschichtigen Menschen zu zeichnen.

Es wird Zeit, dass wir von dieser Klammerung an Klischees wegkommen. Nein, nicht jede*r Protagonist*In muss dringend Abnehmen oder sich mit Selbstzweifel selbst zerfleischen. Nein, nicht jeder davon ernährt sich permanent nur von Zucker und Fett. Genauso wie jede schlanke oder dünne Person sich nur gesund ernährt (na, ertappt?). Ich möchte die Geschichte von Menschen lesen, die Stärken und Schwächen haben, Makel, Ecken und Kanten. Die nicht dauernd an ihrer Figur mäkeln, Angst vor dem Dickwerden haben oder eine Diät nach der anderen starten. Die auch andere Probleme haben, sie aber mit Freunden und Menschlichkeit überwinden. Ich möchte Protagonisten, die wie du und ich sind. Die mehr wiegen können, keinen perfekten Sixpack haben, Pickel, Cellulite, Tigerstreifen oder einen zu kleinen Mund. Menschen, die gut so sind, weil Äußerlichkeiten einfach nebensächlich sind!

Ich möchte, dass uns der Körper egal ist und wir wieder auf das achten, das wirklich wichtig ist: Ein großes Herz, Freundlichkeit, Zusammenhalt und Mitgefühl. Für greifbare Charaktere, großartige Freunde und eine wundervolle Lesezeit!

4 Kommentare zu „Bodyshaming in Bücher (und anderen Medien)

  1. Hey,
    ein sehr schöner Artikel ;).
    Kann dir da nur zustimmen. Viel zu oft geht es um Klischees, und damit verbunden, gewisse auch geschlechter spezifische Rollenmuster, die dann eingenommen werden. Eine Frau hat stets schlank zu sein mit den Rundungen an der richtigen Stelle. Und Männer sollen einen Sixpack haben, breitschultrig und groß sein.
    Besonders bei uns in Europa wird dieses Schönheitsideal ja nicht nur in Büchern, Serien, Filmen, sondern auch Magazinen und Co. verbreitet. Dabei gibt es so viele verschiedene Körperformen.
    Als Frau muskulös zu sein, ist heutzutage beispielsweise auch nicht gerade positiv angesehen. Nicht selten kommen auch hier gewisse Klischees zutage. Eine Frau hat nämlich zierlich zu sein. Sportlich geht gerade noch, aber mehr sollte es nicht sein, weil sonst ist es ja gleich zu viel des Guten. Oder man bekommt zu hören, dass das ja männlich attributiert sei.
    Oder dass ein Mann stets groß und breitschultrig zu sein habe. Dabei gibt es auch unzählige Männer, die von ihrer Genetik her, einfach nicht gerade groß sind. Oder teils auch Probleme haben Gewicht zuzunehmen und daher eher als „zu dürr“ gelten. Und damit verbunden natürlich auch an ihrer Männlichkeit zweifeln.
    Oder all die Frauen, die trotz Normalfigur, schlank meinen sie könnten im Sommer keinen Rock tragen, weil ihr Hintern nicht rund und ihre Beine nicht schlank genug seien.
    Oder auch das umgekehrte Problem, Menschen, die darunter leiden, dass sie nicht zunehmen können. Als belastendes Problem schnell mal herab gewürdigt, denn zu dünn kann ja kein Problem sein. Weder für Mann, noch für Frau. Wären andere doch dankbar dafür.
    Andererseits kommt dann nicht selten die Aussage man solle doch mal mehr essen. Oder das nett gemeinte, ein paar Kilo mehr könnten einem ja auch nicht schaden. Dann würde man weiblicher oder auch „gesünder“ aussehen.
    Damit verbunden natürlich immer wieder gewisse Stereotype, die so gar nicht der Realität entsprechen müssen. Es gibt unzählige Menschen, die übergewichtig sind, und gerne Sport machen. Und unzählige Normalgewichtige, die einen Bogen darum machen.

    Warum kann man Menschen nicht einfach so leben lassen, wie sie es wollen? Und warum muss man heutzutage immer jegliche Körperform kommentieren?
    Es könnte wirklich nicht schaden, wenn wir uns von solchen Klischees wegbewegen würden. Denn jeder von uns ist anders, niemand ist perfekt und das ist auch gut so!

    LG

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    1. Hallo Cordula,
      Danke für diesen ausführlichen und sehr wahren Kommentar! Alles, was nicht der „Norm“ bzw. dem Ideal entspricht, wird nieder gemacht und kommentiert. Ich finde das furchtbar! Dünne Menschen leiden darunter doch genauso wie dicke. Und ja, auch muskulöse Frauen werden angefeindet. Generell ist es wirklich schlimm, wie immer darauf gepocht wird, wie jemand zu sein hat. Denn wie du sagtest, das sagt nichts über den Menschen aus. Ja, wir müssen wegkommen von den Stereotype, denn ich z.B. liebe Sport, auch wenn ich nicht so aussehe. Ich mach gern Yoga und gehe gern ins Fitnessstudio (wenn es offen hat). Mich nerven nur diese Klischees an allen Ecken und Enden, die dann mit viel Feindlichkeit verteidigt werden.

      Ich hoffe, dass wir irgendwann einfach so leben können, wie wir es wollen. Und wir niemanden mehr anfeinden, weil sein eigenes Schönheitsideal von dem der andereb abweicht. Die Vielfalt macht doch eigentlich unser Leben aus?

      Liebe Grüße und einen wundervollen Tag!
      Denise

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      1. Hallo Denise,
        da hast du vollkommen recht.
        Ich denke wir sind teilweise noch immer in gewissen Normvorstellungen verwurzelt. Sei es die Geschlechterrollen, die als „typisch“ Mann oder Frau gelten, genauso wie das Spektrum verschiedener Körperformen.

        Es wäre in der Tat schön, wenn das Aussehen weniger kommentiert und uns weniger sterotypisch eingeredet wird, wie wir zu sein haben. Denn, allein wenn es um die Frage geht was wer wie als schön empfindet, scheiden sich ja schon oftmals die Meinungen.
        Wieso dann nicht jeden so leben und aussehen lassen wie er möchte?
        Denn, wie du selbst sagst, gerade die Vielfalt ist es doch, was unser Leben so abwechslungsreich gestaltet :).

        LG

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        1. Hallo Cordula,
          Da hast du Recht, das sind wir wirklich noch. Wobei sich das nach und nach langsam auflöst. Zumindest habe ich das Gefühl.

          Dennoch haben wir einen weiten Weg vor uns. Ich hoffe, wir kommen irgendwann dahin, die Individualität zu akzeptieren.

          Ich danke dir sehr. 💜

          LG
          Denise

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