Frust

5 Gründe, wieso Belehrungen beim Abnehmen schaden

Hallo ihr Lieben!

Puh, über ein halbes Jahr Funkstille hier. Das tut mir wahnsinnig leid. Ich hab in den letzten Monaten einfach viel Stress auf der Arbeit gehabt, wie das halt so ist manchmal. Da bleibt nicht mehr viel Energie für andere Dinge. Nun wird es aber ruhiger und wir arbeiten im Team an Strategien, um einzelne Mitarbeiter gemeinsam zu entlasten und ein besseres Zusammenarbeiten zu ermöglichen.

Soviel mal dazu. Jetzt möchte ich aber zum eigentlichen Thema kommen. Belehrungen beim Abnehmen. Kein schönes Thema, aber ich muss es mal ansprechen, denn es ist wichtig.

Wir alle kennen diese Leute. Du lässt in einem Nebensatz fallen, dass du (ein wenig) Gewicht verlieren möchtest und schon startet ein beinahe endloser Monolog, was du alles nicht essen darfst, wie viel Sport du machen sollst, dass das süße Getränk in deiner Hand pures Gift ist, dass du ins Fitnessstudio oder joggen musst, dass Kohlenhydrate böse sind und überhaupt, dass du auch nur den Burger anschaust, ist dann schon ein Kapitalverbrechen. Möglicherweise ein wenig überspitzt, aber ich habe es teilweise selbst schon so erlebt. Und es nervt nicht nur. Es macht kaputt. Und noch viel mehr. Die folgenden Punkte sind manchmal ein wenig übertrieben dargestellt, aber ich hab es teilweise wirklich so erlebt.

Punkt 1: Es ist übergriffig

Ungefragte Abnehmtipps sind übergriffig. Sie sind für mich auf der selben Ebene wie ungefragte Dickpics. Wer mir seine Abnehmtipps ins Gesicht schleudert, der sagt mir damit vor allem eins: Ich respektiere dich nicht als Mensch. Ich werde auf mein Gewicht reduziert und damit verliere ich jegliche Berechtigung, bestimmen zu dürfen, was für meinen Körper gut ist und was nicht. Es wird in meinen intimsten Raum eingedrungen.

Mir wird das Recht abgesprochen, eigene Verantwortung für mich zu übernehmen und die Entscheidungen bewusst treffen zu können, wie ich mich ernähre.

Ich fange an, mich für meinen Körper und für mich selbst zu schämen, denn ich bin scheinbar nicht gut genug. Mangelhaft.

Bild von Виктория Бородинова auf Pixabay

Punkt 2: Es zerstört den Selbstwert

Und damit sind wir beim zweiten Punkt. Ungefragte Abnehmtipps können den Selbstwert zerstören. Mein Körper ist dann eindeutig nicht gut genug, so wie er ist. Ich bin weniger wert. Ich schäme mich für meine Form und möchte mich dann am liebsten Tag und Nacht nur verstecken. Jeden Tag klebt das Gefühl an mir, nicht gut genug zu sein. Nicht genug Wissen zu haben, zu dumm zu sein zum Abnehmen. Etwas ja so mega leichtes nicht hinzubekommen, schließlich weiß ja jeder (außer mir), wie das geht. Und gleichzeitig geht es los mit dem Verfolgungswahn. Verurteilen jetzt alle meinen Einkauf? Hab ich genug Gemüse auf dem Kassenband? Sehen sie den Schokoriegel? Die denken doch sicher: „Klar, nimmt die Fette nicht ab, bei dem Schokoriegel.“

Jedes Kilo, jedes Speckröllchen wird vor dem Spiegel mit Verachtung bestraft.

Essen ist auch nicht mehr entspannt. Die ganze Zeit hat man Angst vor gehässigen Kommentaren und möchte nicht mehr in Gesellschaft essen. Ich schäme mich dann für ein natürliches Bedürfnis! Ich schäme mich für meinen Hunger, für etwas menschliches. Ich habe Angst davor, Klischees zu erfüllen.

Punkt 3: Es setzt unter Druck

Abnehmen wird nicht mehr zu meiner Sache. Automatisch wird die intrinsische Motivation durch eine extrinsische ersetzt. Was den Druck steigert. Die Gedanken drehen sich nur noch um Kalorien, Essen und Waage. Sie drehen sich darum, was ich darf und was nicht. Und das wird fremdgesteuert, was nicht gerade zur Entspannung beiträgt. Es schlaucht. Es raubt Energie für andere, wichtige Dinge. Dazu kommt, dass die Energiezufuhr ja eh reduziert wird, von jemandem, der gar nicht weiß, wie viel Energie ich eigentlich so brauche (was übrigens auch jeden Tag unterschiedlich sein kann…).

Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass extrinsische Motivationen die Lustlosigkeit, Schlappheit und Heißhunger-Attacken begünstigen, weil man nicht von ihnen so überzeugt ist, wie von den intrinsischen. Außerdem füttern sie den Stress-Kreislauf.

Kleiner Exkurs dazu: Wenn wir unter Stress stehen, wird unter anderem Cortisol freigesetzt. Cortisol bewirkt wie Adrenalin, dass wir in stressigen Situationen leistungsfähiger sind. Und es sorgt dafür, dass das Gehirn Glukose als Energiequelle nutzt. An sich also ein wichtiges und gutes Hormon.

Schlecht wird es, wenn es dauernd (also chronisch) ausgeschüttet wird. Da es der Gegenspieler zu Melatonin ist, kann ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel zu Schlafproblemen führen. Der Schlaf ist nicht mehr so erholsam und du hast weniger Energie zur Verfügung, was gern dazu führt, dass wir uns energiereiche Nahrung, meist in Form von Zucker, viel Koffein oder Fett, zuführen. Die wiederum steigern den Cortisolspiegel und so weiter. Ihr merkt, das ist wirklich nicht ohne.

(Anmerkung meinerseits: Ich bin keine Medizinerin, hab mir das Wissen nur angeeignet durch Recherche und diverse Abnehmkurse. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Stimmigkeit. Gern kann man mir in einem höflichen, freundlichen Ton sagen, wenn ich mich an einer Stelle vertue. Danke!)

Punkt 4: Hilft nicht, den richtigen Weg zu finden

Nun ist es auch so, dass es nicht den einen Abnehmweg gibt. Für jeden funktioniert einfach was anderes. Für den einen ist Lowcarb super, für den anderen Weight Watchers und für den dritten vielleicht doch FDH. Indem man jemanden aber zutextet mit Abnehmtipps, zwingt man demjenigen seinen Weg auf. Eine Abweichung oder das herauspicken, was für einen gut klingt, werden oft nicht akzeptiert.

„Wenn du nicht abnehmen willst…“

Dabei funktioniert jeder Körper anders. Jeder von uns hat eine ganz individuelle Zusammensetzung von Mikrobiota im Darm, weshalb wir unter anderem so unterschiedlich auf Nahrung reagieren. Die Zusammensetzung unserer Bakterien ist abhängig von Ernährung, Bewegung, Lebensart und noch vielem mehr. Von daher ist es schon körperlich nicht möglich, für jeden DIE Ernährung zu finden. Jeder von uns fühlt sich mit etwas anderem wohl, je nach Zusammensetzung. Deshalb tut jedem auch eine andere Sportart gut. Jeder von uns ist ein Individuum und ebenso sollte es unser (Abnehm)Weg sein.

Auch aus psychologischer Sicht funktioniert für jeden was anderes. Den einen macht es verrückt, wenn er sich sämtlichen Süßkram verbietet. Den anderen motiviert es. Hier Druck aufzubauen, indem man Dinge kommentiert mit „Aha, willst wohl doch nicht abnehmen!“, ist daher einfach nur falsch und letzten Endes ist es sowieso das Problem von jedem selbst. Für manchen funktionieren Motivationssprüche, den anderen setzen sie nur noch mehr unter Druck. Überlasst es doch jedem selbst, wie er sich motiviert.

Ich liebe die Individualität in dieser Welt. Wieso können wir sie nicht auch beim Abnehmen haben? Wieso kann man nicht mit dem zufrieden sein, was man selbst macht? Wieso muss man sich darauf versteifen, dass es jeder genauso macht, wie man selbst? Zählt am Ende nicht, dass man sein Ziel erreicht und glücklich ist?

Bild von silviarita auf Pixabay

Punkt 5: Hilft nicht beim Abnehmen

Jemand anderem zu sagen, wie er abnehmen soll, hilft nicht beim Abnehmen. Im Gegenteil. Meiner Meinung nach verhindert es, dass man Spaß und Freude an Ernährung und Sport entdeckt. Der Frust steigert sich ins Unermessliche, weil man den Erwartungen nicht gerecht wird und seine Ziele eben nicht erreicht. Zumal alles eher eine Qual ist.

Wenn andere mir vorgeben, was ich zu tun habe, bin ich grundlegend unzufrieden. Und das ist kein schöner Zustand. Mir ist freier Wille wichtig.

Wenn mir außerdem jemand Süßigkeiten verbietet, dann kriege ich regelmäßig Heißhunger-Attacken. Ich kann dann an keinem Regal vorbei gehen, ohne wie von selbst etwas mitzunehmen. Das ist schlimm, ja. Und stört beim Abnehmen massiv. Kleiner Funfact am Rande: Wenn ich uneingeschränkt essen darf, was ich will, esse ich viel seltener Süßes, als wenn man es mir verbietet.

Bild von StockSnap auf Pixabay

Außerdem fehlen mir Disziplin und Motivation, wenn ich es für jemand anderes mache. Wenn ich es für mich, auf meine Art und Weise mache, ohne Stress und Druck von außen, wird Abnehmen schon fast wie ein Selbstläufer.

Daher fragt bitte, bevor ihr jemanden Tipps gebt. Nicht jeder braucht sie. Geht auf Nummer sicher oder wartet, bis derjenige euch von selbst danach fragt. Und dann legt los.

Und bitte, zwingt niemandem euren Weg auf. Oder fragt nonstop nach, wie es läuft. Wenn jemand darüber reden möchte, wird er schon von selbst darauf zu sprechen kommen.

Nun wünsche ich euch noch einen angenehmen Tag und hoffe, dass ihr es euch gut gehen lasst. Tut, was euch sowohl körperlich als auch seelisch gut tut. Denkt an euer Wohlbefinden und habt es fein.

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